Dehoga: Weiteres Krisenjahr in Sicht

Sören Nolte
08 August 2022
Das Gastgewerbe steht weiter unter Druck. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Dehoga hervor. Auch wenn der Juli-Umsatz sich nominal zum ersten Mal auf dem Vorkrisenniveau von 2019 befindet, sind die preisbereinigten Umsätze noch weit von den Vergleichszahlen vor der Corona-Pandemie entfernt.

Laut aktueller Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband) ist im Gastgewerbe das dritte Verlustjahr in Folge zu erwarten. So weist das Statistische Bundesamt von Januar bis Mai einen realen Umsatzverlust von über 25 Prozent aus (nominal -16,9 %). Zwar seien die Umsätze zuletzt im Juli gestiegen, Verbands-Präsident Guido Zöllick erklärt jedoch: „Den Umsätzen stehen weitaus höhere Kosten entgegen als vor der Corona-Krise“, sagt Zöllick, „insbesondere die explodierenden Gas- und Strompreise bereiten den Betrieben sehr große Sorgen“.

Angst vor Preis-Explosionen

Bei der Auswertung der Verbandsumfrage für den Monat Juli wird laut Dehoga deutlich, dass die Anzahl der Umsatz-Verlierer höher ist als die der Umsatz-Gewinner. So vermelden fast 50 Prozent der Betriebe für den Juli schlechtere Umsätze als im Juli 2019, rund 28 Prozent der Betriebe verzeichnen sogar Umsatzverluste von mehr als 20 Prozent. Gleichzeitig würden die Kosten explodieren: So stiegen laut Verband die durchschnittlichen Kosten für Gas im Juli gegenüber dem Juli des Vorjahres um 60 Prozent, für Strom um 39 Prozent, für Lebensmittel um 25 Prozent, für Personal um 18 Prozent und für Getränke um 15 Prozent.

Auch die Sicherheit der Energieversorgung im Herbst und Winter beschäftigt die Unternehmen laut Zöllick sehr. Er fordert daher: „Wir erwarten, dass jetzt alles unternommen wird, um die Sicherheit der Energieversorgung zu gewährleisten und die Kostenexplosion bei Gas und Strom einzudämmen.“

Infektionsschutz weiterhin Thema

Die Sorgen und Existenzängste im Gastgewerbe wachsen auch im Hinblick auf die Anfang August vorgestellten Pläne zum Infektionsschutzgesetz für den Herbst und Winter. Auch wenn ein Lockdown nicht vorgesehen ist, würden die vorgesehene Maskenpflicht und weitere Maßnahmen einen hohen Kontrollaufwand sowie unnötige Verunsicherung stiften, macht Zöllick deutlich und sagt: „Wir appellieren an die Bundesregierung und die Landesregierungen alles dafür zu tun, dass Auflagen und weitere Corona-Maßnahmen im Herbst nicht erforderlich sind.“

Von zentraler Bedeutung sei es, dass die Fortgeltung der 7-Prozent-Mehrwertsteuer auf Speisen jetzt beschlossen werde. Der Dehoga-Präsident appelliert: „Die Gastronomen stehen unter einem enormen Kostendruck. Preisanpassungen dürfen nicht zu einer Überforderung der Gäste führen, die auch von der seit Monaten hohen Inflationsrate betroffen sind. Ein Unterlassen der Verlängerung hätte katastrophale Auswirkungen für die Betriebe und wäre inflationsbeschleunigend.“ Im Übrigen sei diese Forderung eine Frage der einheitlichen Besteuerung von Essen mit sieben Prozent. „In 21 EU-Staaten wird kein Unterschied bei der Besteuerung von Fertiggerichten aus dem Supermarkt und dem Essen auf dem Porzellanteller im Restaurant gemacht. So zeigt man dort Wertschätzung für die ‚öffentlichen Wohnzimmer‘ der Gesellschaft“, sagt Guido Zöllick.

An der Umfrage des Dehoga Bundesverbandes vom 1. bis 4. August 2022 zur aktuellen Situation im Gastgewerbe nahmen 3.509 Betriebe teil.

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