Dehoga: Harter Winter erwartet

Sören Nolte
05 September 2022
Im Gastgewerbe wächst die Sorge vor rasant steigenden Energiekosten. Mehr als ein Drittel der Befragten einer Dehoga-Umfrage bewerten die Preisentwicklungen als existenzbedrohend.

„Die Hoteliers und Gastronomen in Deutschland leiden unter der Kostenexplosion bei Energie, Lebensmitteln und Personal“, erklärt Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband). Das gehe aus einer aktuellen Verbands-Umfrage unter 3.000 gastgewerblichen Betrieben aus ganz Deutschland hervor. Diese zeigt, dass die Energiekosten bereits jetzt bei fast der Hälfte der Betriebe (48,8 %) auf zehn Prozent und mehr des Umsatzes gestiegen sind. Bei 10,7 Prozent machten die Energiekosten zwischen 15 und 20 Prozent des Umsatzes aus, bei 8,7 Prozent betragen die Kosten mehr als 20 Prozent des Umsatzes.

Zusätzliche Belastungen

Die steigenden Energiepreise stehen laut der Umfrage bei 89 Prozent der Betriebe ganz oben im Problem-Ranking. 56,3 Prozent der Unternehmer berichten von angekündigten Preissteigerungen bei Strom, die durchschnittlich 103,8 Prozent betragen. Bei 60,8 Prozent der Betriebe werden sich die Gaspreise um durchschnittlich 152,4 Prozent erhöhen. „Der Kostendruck im Gastgewerbe nimmt weiter zu“, macht Zöllick deutlich. Dabei sei zu beachten, dass rund 40 Prozent der Betriebe noch keine Information ihres Energieanbieters erhalten hätten.

Erschwerend komme laut Verband hinzu, dass der Umsatz im Gastgewerbe weiter unter Vorkrisenniveau liegt. Für August meldet die Branche ein Umsatzminus von nominal 2,6 Prozent gegenüber August 2019. Von Januar bis August 2022 setzten die Betriebe im Vergleich zum Vorkrisenzeitraum 9,7 Prozent weniger um. „Die Sorgen und existenziellen Nöte in der Branche wachsen“, sagt Zöllick mit Verweis auf die Umfrageergebnisse. Demnach schätzen 37,7 Prozent der Unternehmer die Kostenentwicklung im Bereich Energie als „existenzbedrohend“ ein. Neben den Energiekostensteigerungen gehören die steigenden Lebensmittelpreise (73,5 %), die Umsatzrückgänge (67 %) sowie die Personalkosten (62,5 %) zu den größten Herausforderungen für die Betriebe.

Verband begrüßt Mehrwertsteuersenkung

„Das Gastgewerbe steht vor einem schwierigen Winter“, sagt Zöllick. Umso mehr zählten die richtigen politischen Weichenstellungen. Der Dehoga-Geschäftsführer betont: „Die Gewährleistung der Energiesicherheit und konkrete Maßnahmen zur Eindämmung der Preisexplosion bei Gas und Strom müssen jetzt oberste Priorität haben.“ Vor diesem Hintergrund bleibe zu hoffen, „dass es der Bundesregierung gelingt, mit den geplanten Maßnahmen die massiven Belastungen für Unternehmer und Mitarbeiter zu begrenzen“, sagt Zöllick weiter. Es komme jetzt auf die Konkretisierung und Umsetzung des verabredeten Entlastungspakets an, was insbesondere auch für die Unternehmenshilfen gelte.

Die Anfang September im Rahmen des Entlastungspakets beschlossene Verlängerung der 7-Prozent-Mehrwertsteuer für Speisen in Restaurants wertet der Dehoga-Präsident als „das richtige und dringend benötigte Signal für die Branche in herausfordernden Zeiten, das Mut und Hoffnung macht“.

Energieentwicklung im Fokus

Dem Thema Energie wird sich der Verband künftig stärker widmen. Dazu wurde der neue Dehoga-Bundesausschusses für Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit gegründet, der den bisherigen Arbeitskreis „Umwelt“ ablöst. „Die aktuellen Belastungen für die Branche sind gewaltig. Die Politik muss gegensteuern“, fordert dessen Vorsitzender Patrick Rothkopf. Eine Vervielfachung der Energiekosten könne nicht über Preissteigerungen im Gastgewerbe kompensiert werden. „Denn auch unsere Gäste sind davon betroffen“, betont Rothkopf. Auch mit Blick auf neue klimapolitische Verpflichtungen der Betriebe und damit verbundene neue Kosten drängt der Ausschussvorsitzende auf die Verhältnismäßigkeit und Kostenverträglichkeit der Maßnahmen – das gelte bei Konzepten zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen genauso wie bei der Einführung von Mehrwegsystemen.

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